Montag, 31. August 2015

Mein Brautkleid oder always trust your Bauchgefühl

Wie ich ja in dem Beitrag "Das Leid mit dem Kleid" schon angedeutet habe, lief auch bei mir die Wahl des Brautkleides nicht ganz so rund. Aber ich habe daraus viel gelernt. Hier also meine Geschichte, zu Eurer Beruhigung, falls es bei Euch auch etwas chaotisch läuft: 

Als klar war, daß wir heiraten werden, war meine erste Eingebung: ein weißes Kleid mit schwarzen Pünktchen und Petticoat! Mit roten Accessoires, am liebsten auch ein roter Petticoat und rote Schuhe. Also eigentlich hatte ich schon eine ganz konkrete Vorstellung.  Leider hatte zu dem Zeitpunkt Collectif mein Lieblingsmodell Delores noch nicht in dieser Farbkombi auf den Markt gebracht.......... (Jetzt gibts das!!!). 

Auch weitere Internetrecherche bescherte mir kein weißes Pünktchenkleid. Und nähen lassen ist ja
immer so ne Sache. Du hast kein Umtauschrecht und wenn das Kleid dann nicht sitzt oder der Stoff nicht schön aussieht, hast Du das Nachsehen.

Angelegentlich hab ich dann erstmal eine kleine cremefarbene Brauttasche erstanden, die irgendwann an meinem Arbeitsplatz im Modezentrum meinen Weg kreuzte. Haben ist ja besser als brauchen.

Ein klassisches Brautkleid kam für mich eigentlich gar nicht in Frage. Trotzdem bin ich mit meiner Mutter einen Tag ins Brauteldorado nach Tellingstedt (im Norden kennt das eigentlich fast jeder, wohl der größte Brautausstatter Norddeutschlands, wie ich vermute) gefahren. Eigentlich nur, um mal ein paar Brautkleider anzuziehen und damit ganz sicher zu gehen, daß ich das wirklich nicht brauche. Und ist ja irgendwie auch ganz witzig. Gesagt, getan. Ich bin also in mehrere von diesen Polyestertaftmonstern gestiegen und mußte manchmal doll lachen. Allerdings hab ich mich oft auch gefragt: Wie kann man nur? War auf jeden Fall ganz klar nicht meins! Irgendwann kam die Verkäuferin dann noch mit einem Chiffonkleid in Empirelinie an, Modell griechische Göttin. Das hat zumindestens meiner Figur geschmeichelt. Denn DAS ist ja noch eine erschwerte Bedingung, wenn man nicht Puppengröße 36 trägt, sondern offiziell als Plus-size gilt mit Kleidergröße 46. Da wird die Luft nämlich schon deutlich dünner und die Challenge noch viel größer, das alles ansprechend in weiß oder creme zu verpacken. 
Überzeugt hat mich dieses Kleid allerdings auch nicht. Dafür aber meine Mutter! Die war ganz hingerissen. So sehr, daß sie es mir sogar schenken wollte! Das Kleid hätte schon ohne Änderung 1200 Euro kosten sollen und es hätte auf jeden Fall noch gekürzt werden müssen. Ich hatte meine liebe Not, die Mutti davon zu überzeugen, daß ich das auf keinen Fall will, nicht mal geschenkt. so viel Geld für ein Kleid, das ich deninitiv nie wieder anziehe, dann hätte ich schon vor Begeisterung tot umfallen müssen. aber so? Nein, auf keinen Fall. Wir sind dann Kuchen essen gegangen und als ich wieder zu Hause war, hab ich meinem (zukünftigen) Mann das Handyfoto von dem Kleid an mir gezeigt, damit er auch mal lachen kann. Und was macht der? Sieht das Bild, rollt verzückt mit den Augen und schmachtet los "MEINE BRAAAAUUUUT"........!!! 
Ich war völlig fassungslos. Meint der das ernst? (Schade, das Handyfoto hab ich leider nicht mehr...)
Damit hatte ich ehrlich nicht gerechnet. Und er hat mich damit völlig aus der Bahn geworfen. Ab auf die falsche Fährte. Also bin ich dann 2 Wochen später mit einer Freundin nochmal in Hamburg in einen low budget Brautladen gefahren. Dort haben wir dann ein ein ansatzweise ähnliches Modell gefunden. Natürlich deutlich billiger gemacht, viel weniger Stofflagen und auch nicht besonders hochwertig verarbeitet. (Und ziemlich durchsichtig, wie mir dann später erst aufgefallen ist... )  Aber man hätte noch ein bißchen was umbauen können und dann wäre es ganz ok gewesen. und preislich lag es weit unter dem Laue Modell, mit nur ca. 250 Euro. Also erstmal gekauft. 
In den nächsten Tagen hab ich dann nochmal bei Otto gekuckt und dort auch einen Schwung Kleider bestellt. Hier war eins dabei, das ich dann noch schöner fand als das, das ich gerade gekauft hatte. Ähnliche Form, aber viel edleres Material und creme statt hartweiß. Und es war so günstig! ich glaub 180 Euro. also schiet egol, auch behalten. Das andere kann man ja bei ebay verhökern. Da ich das Kleid aber damals bei der Anprobe noch nicht ganz zu gekriegt habe, ist mir gar nicht aufgefallen, daß es mir minimal zu kurz ist. Also ein langes Kleid, wo die Füße rauskucken, das geht für mich gar nicht. 

Und irgendwie ging mir auch immer noch nicht das Petticoat Kleid aus dem Sinn. Eigentlich wäre das ja viel mehr ich. Da es ja nun aber partout nirgends so eins gab, hab ich mich dann irgendwann doch für nähen lassen entschieden und eine von den vielen Schneiderelfen bei Dawanda angemorst. Ob ich auch einen Stoff schicken kann? Das Kleid, das ich dort gefunden hab, sollte um die 200 Euro kosten. ich habe mir dann mal eins zur Probe nähen lassen, in schwarz mit weißen Punkten, das man auch jederzeit so nochmal hätte tragen können. Daran habe ich dann alle Änderungswünsche festgeschrieben (also länger, Träger breiter und weiter nach außen versetzen, sowas halt), dann hab ich Stoff gekauft und Ihr hingeschickt. Ebenfalls bei Dawanda hab ich noch eine Frau aufgetan, die mir ein kleines Headpiece mit Schleier gemacht hat und eine, die Handtaschen näht. Der habe ich dann ebenfalls Stoff geschickt, damit die Tasche perfekt zum Kleid paßt. 
Dann fiel mir irgendwann meine alte Freundin Birte von HELLMADE CORSETS ein. Ich kenne Sie aus ihrer Zeit in Hamburg. Mittlerweile lebt Sie wieder in Ihrer Heimatstadt Wesel. Birte näht Korsetts. Sie hat ein kleines Label, HELLMADE CORSETS. Ich dachte mir, ein passendes Unterbrustkorsett würde meinem Outfit doch vielleicht das I-Tüpfelchen aufsetzen. Und ich muß nicht den ganzen Tag den Bauch einziehen oder mich auf jedem Foto über meine Speckröllchen ärgern. Also hab ich mit Birte telefoniert und es mit Ihr besprochen. Dann hab ich auch ihr Stoff geschickt und sie hat mir ein super Korsett mit schwarzen Kontrastpaspeln genäht. 


Mittlerweile war es nun auch gar nicht mehr sehr lange hin bis zu unserer Hochzeit und ich hab mit einem doch recht mulmigen Gefühl gewartet, daß alle Teile meines Outfits ankamen. Für den äußersten Notfall, falls das Kleid nun gar nichts geworden wäre, hatte ich schon ein Notkleid im Petto, mein rotes mit den weißen Punkten. mit meinen weißen Accessoires wäre das notfalls auch gegangen. 
Irgendwann kam dann das Kleid und ich habs heimlich unten bei der Nachbarin, die auch mein Paket angenommen hatte, anprobiert, weil der Mann ja immer in der Wohnung rumwuselte. Und der sollte das ja nun alles gar nicht wissen. Also kurz übergestülpt und das Kleid saß................... scheiße! wie ein trauriger Sack hing es an mir runter. und gut genäht wars auch nicht, die Brust saß unterm Schlüsselbein, keine Ahnung was die da gemacht haben....
Ich hab das Teil dann mitgenommen zu einer Kollegin und wir haben es dann erstmal zur Hälfte wieder aufgetrennt und neu genäht. Als dann alles gut war, hab ich mit Petticoat und dem Korsett und den richtigen Schuhen und allem chichi angezogen und siehe da, auf einmal sah es schon viel mehr nach Brautkleid aus :-) 


Da ich nicht gerade ein Fan meiner Oberarme bin, hatte ich mir in dem Brautladen so eine Chiffonstola gekauft. So waren die Speckärmchen verdeckt und das Chiffongelöt hat dem Ganzen dann nochmal mehr so einen brautigen Touch gegeben. Und ich hätte mich bei 30° trotzdem nicht totgeschwitzt! Was man nicht alles bedenken muß.........  Für kühleres Wetter hatte ich noch einen weißen Bolero gekauft. So war ich nun also für alle Eventualitäten gerüstet. Selbst einen weiß/schwarz gepunkteten Schirm hatte ich! 
Das mit dem roten Petticoat habe ich dann doch wieder verworfen. war dann doch zu viel des guten. weiß hat mir besser gefallen. Rot auf Lippen, Nägeln und im Brautstrauß, das hat völlig ausgereicht. 
Um dann nochmal ganz sicher zu gehen, habe ich an einem Abend meine Trauzeugin und eine weitere Freundin zu mir nach Hause eingeladen und den Mann mal für den Abend wegorganisiert, damit ich mein Brautoutfit vorführen und absegnen lassen kann. Ich hab also nochmal das gesamte Ornat angelegt, mit einer Frisur und einem vernünftigen Make-up. Als ich ins Wohnzimmer kam, hat meine Trauzeugin gleich ein Tränchen verdrückt. YEAH! Also alles richtig gemacht. Ich hatte es also gefunden, nach vielen Irrungen und Wirrungen. Unterm Strich hat mich mein Brautoutfit nun am Ende zwar auch um die 1000 Euro gekostet, aber egal. Das wars mir wert. Dafür hab ich mich den ganzen Tag sauwohl und wunderhübsch gefühlt!!! Außerdem hab ich die überzähligen Brautkleider und auch das schwarze Probekleid später bei ebay verkauft, da ist dann ein bißchen was von dem Geld wieder reingekommen. (Das Otto Kleid Foto oben rechts ist übrigens noch zu haben, falls das jemand braucht, der unter 1,70 ist).
Und was lernen wir daraus?
Daß die erste Eingebung oft doch die Beste ist.
Und daß vieles noch zu retten ist, was auf den ersten Blick gar nicht so viel hermacht. Man muß nur ein bißchen kreativ sein. Und eine gute Schneiderin haben!


Der Mann fand es übrigens super :-) Ich habe ihn später mal gefragt, warum er damals so abgegangen ist als er das Foto von mir in dem langen Brautkleid gesehen hat, das hätte mich völllig aus dem Konzept gebracht und mich 2 falsche Kleider gekostet, die ich vermutlich sonst nie gekauft hätte... Er war völlig überrascht und hat mir dann erklärt, daß die Reaktion gar nicht dem Kleid als solches geschuldet war, sonder einzig und allein der Tatsache, MICH als Braut zu sehen....................  Grad neulich kamen wir nochmal auf das Thema und da hat er etwas sehr süßes gesagt. Er meinte, daß für einen Mann das Kleid als solches gar nicht so eine große Rolle spielt. Allein, die Frau, die man liebt, im Brautkleid zu sehen, zu wissen, daß sie einen auch liebt und heiraten will, wäre so umwerfend, daß er sie in jedem Kleid wunderschön finden wird. Ich fand das sehr schön zu wissen.

Fotos: privat
Kleid, Tasche, Headpiece: DAWANDA

Korsett: HELLMADE CORSETS
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Kommentare:

  1. Ach, Tellingstedt....
    Ich glaube, dort habe ich mal einen Abend- beziehungsweise Ballkleid für die silberne Hochzeit meiner Eltern gekauft. Will da jetzt mal nicht näher drauf eingehen, Mitte der neunziger fand ich es noch großartig. Hängt noch irgendwo bei uns im Keller rum ;-)
    Ansonsten graut mir ja, wie ich dir schon geschrieben habe, auch vor der Brautkleid-Wahl…
    Ich tendiere da ein wenig in Richtung sechziger Jahre-Kleid mit einem Bubi-Kragen (nennt man doch so?) in dunkelblau. Relativ schlicht, dafür mit entsprechenden Klimbim "aufgepeppt". Petticoat hätte ich auch toll gefunden, aber mit Kleidergröße 44 und 1,62 m Körpergröße sehe ich dann eher wie ein Knallbonbon aus :-/
    Egal, ich bin auf weitere Beiträge von dir gespannt und freue mich über die Erfahrungsberichte und Tipps!

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    1. hey Christine, mach Dir mal keine Sorgen. Wir finden auf jeden Fall was schönes für Dich!

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  2. Hilli, ich kannte noch nie jemand der soviel Brautkleider hatte! Aber nach der richtigen Entscheidung, kam der Probeabend und jaaa ich musste da schon weinen. Du hast so schön ausgesehen, aber das war kein Vergleich zu dem richtigen grossen Tag. Da hattest du ein unbeschreibliches glitzern in deinen Augen und dieser wunderschöne Ausdruck auf deinem Gesicht. ..ach du warst das umwerfendste Wesen auf der ganzen Welt. Bist ja noch immer, nech.
    Da musste ich mich sputen, um als Trauzeugin nicht komplett grau auszusehen!
    Es war ein toller Tag- unvergessen.

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    1. Danke, Süße :-* Aber Du warst auch die umwerfendste Trauzeugin der Welt! da haben wir doch beide um die Wette gestraht, genau wie bei Deiner Hochzeit!

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